Fell in Love With A Girl

Das Musikvideo zum Lied Fell In Love With A Girl  der amerikanischen Rockband The White Stripes ist wohl eine der bekanntesten LEGO Animationen.

Ja Der französische Regisseur Michel Gondry ist bekannt für seine außergewöhnlichen Filme und den kreativen Einsatz verschiedenster Filmtechniken. Für Fell In Love With A Girl setzte er erstmals auf die analoge Animation mit LEGO-Steinen. Die Reaktionen auf das Video waren äußerst positiv. Es gewann in drei Kategorien bei den MTV Video Music Awards und Magazine wie das Entertainment Weekly oder Pitchfork nannten es eines der besten Musikvideos der Dekade.

Zu Beginn des Videos sieht man einen kleinen Jungen – den Sohn des Regisseurs – wie er eine Wand aus LEGO-Steinen baut. Das ist die einzige Szene des Videos, in der etwas anderes als LEGO-Steine zu sehen ist. Die folgenden Szenen zeigen die singenden und spielenden LEGO-Versionen der Mitglieder der Band, sowie verschiedene Aufnahmen in London. Steine werden hauptsächlich in den Farben rot, blau, gelb, schwarz und weiß verwendet. Und bis auf wenige Ausnahmen nur in klassischer, rechteckiger Form, also keine Spezialteile wie Minifiguren oder abgeschrägte und runde Steine. Die Szenen wechseln im Wesentlichen zwischen drei verschiedenen Animationsstilen, die nun hier erläutert werden sollen.

Die erste Art der Animation ist ganz flach und zweidimensional gehalten. Die einzelnen Blöcke werden hier in meistens einer, maximal aber drei Ebenen angeordnet und erzeugen so ein Bild im Stil einer niedrig aufgelösten Pixelgrafik. Wenn mehr als eine Ebene verwendet wird, dann nur, um trotz der wenigen verfügbaren Farben verschiedene Farbtöne und Schattierungen zu erhalten.

Aus den LEGO-Steinen werden hier keine dreidimensionalen Figuren gebaut, sondern sie dienen als einzelne Pixel, um ein im Vorhinein aufgenommenes Video neu darzustellen. Das Realvideo wurde dazu am Computer auf die Auflösung der einzelnen LEGO-Steine herunter skaliert, ausgedruckt und dann Stein für Stein nachgebaut. Obwohl die Darstellung sehr abstrahiert und ohne viele Details ist, erkennt man dank der realistischen Bewegungen die Figuren sehr deutlich. So ist, als sich die tauchende Figur an der Kamera vorbei bewegt, ganz deutlich die veränderte Perspektive zu erkennen, obwohl sich die Steine für Augen und Mund lediglich um zwei oder drei Pixel verschieben.

In anderen, diesmal dreidimensionalen Szenen setzt Gondry auf sehr reduzierte und aus wenigen Blöcken bestehende Figuren. Die Figuren sind weiterhin flach, beziehungsweise lediglich einen Block breit, befinden sich jedoch in einem dreidimensionalen Umfeld mit Schatten und erkennbarem Vorder- und Hintergrund. Die Charakteranimation hat hier nichts mit der klassischen Puppenanimation gemein. Da sie über keine Gelenke oder beweglichen Teile verfügen, müssen die Blöcke der Figuren für jede Bewegung einzeln versetzt werden. Die starren Figuren werden also Bild für Bild umgebaut um die verschiedenen Posen darzustellen. Auch hier funktionieren die reduzierten Figuren nur in Verbindung mit ihren Bewegungen. Auf Einzelbildern ist der Schlagzeuger teilweise nicht als solcher erkennbar, wenn die Arme der flachen Figur mit dem Kopf verschmelzen. In der Animation sind die Formen und die mit der Musik synchronisierten Bewegungen aber klar zu sehen.

Der dritte Animationsstil verwendet wesentlich größere und somit auch detailliertere, dreidimensionale Figuren. Wie die zweidimensionalen Charaktere verfügen sie über keine beweglichen Gelenke und werden durch Neuanordnen der einzelnen Blöcke animiert. Hier ist ein dreidimensionaler, aber trotzdem noch stilisierter und zu den anderen Einstellungen passender Kopf zu sehen, sowie das detaillierte Modell einer Gitarre. Wegen der Größe der Figuren können hier auch Details wie Mund- und Augenbewegungen animiert werden. In einigen Close-Ups sind sogar Zähne und die Bewegungen der Zunge zu sehen. Die Mundbewegungen stimmen genau mit dem Gesang überein und legen auch hier die Vermutung nahe, dass die Modelle nach der Vorlage eines Realfilms animiert wurden.

Die Kamera ist während des gesamten Videos statisch, Kamerabewegungen werden lediglich durch sich bewegende LEGO-Steine simuliert. In den zweidimensionalen Szenen dienen die Steine ohnehin nur als Pixel und können beliebige Kamerafahrten und Zooms darstellen. Bei den dreidimensionalen Sequenzen wird eine Kamerafahrt dargestellt, indem sich die Figuren auf der Stelle bewegen und der Boden sowie der Hintergrund bewegt werden.

Um den Übergang zwischen den verschiedenen Stilen zu kaschieren, verwendet Gondry gelegentlich Match Cuts. Etwa wenn die rot-weiße Farbfläche eines zweidimensionalen Verkehrsschildes nahtlos auf den rot-weißen Hintergrund einer dreidimensionalen Szene geschnitten wird.

Egal ob zwei- oder dreidimensional, die Bilder sind durch die Bewegungen der einzelnen Blöcke sehr lebendig und hektisch. Die Figuren wurden sehr sorgfältig und realitätsnah animiert. Durch das gelegentliche – vermutlich bewusst eingesetzte – Bildflackern wird dem Video trotzdem der für die Stop-Motion-Technik typische Look verliehen. Eine weitere Besonderheit ist der leichte schwarze Außenrand im Bild. Dieser wird von der für das Projekt verwendeten analogen Bolex-Kamera verursacht. Das ist das selbe Modell, das fast 20 Jahre zuvor für den LEGO-Kurzfilm The Magic Portal verwendet wurde.

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